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  • MYTHOS SCHNECK OSTWAND

    100 Jahre Allgäuer Klettergeschichte
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    Der berühmte Quergang
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    Ali Kleemaier, Kaspar Schwarz und Anderl Heckmair
  • 2022 100 Jahre SCHNECK OSTWAND

    1000ste Begehung im Juni 2022
  • 100 Jahre Allgäuer Klettergeschichte

    07.und 08.10.2022 im Kurhaus Bad Hindelang
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1922 – 2022 Einhundert Jahre Schneck Ostwand

Ein Bericht der Ereignisse von Max Zellhuber, Oberstdorf

 

Die Anfänge
Vor hundert Jahren wurde die Schneck Ostwand durch die mutigen Kletterer Philipp Risch und Karl Seybold unter denkbar schlechter Ausrüstung erstbegangen. Seillänge um Seillänge rangen sie der Wand ab, nicht ohne Zwischenfälle, denn der Begleiter fiel zwei Mal ins Seil aber ohne ernstlichen Schaden. Nach knapp 8 Stunden haben sie der 250m hohen Wand die Geheimnisse entlockt und stehen am Gipfelkreuz.

Erst nach elf Jahren, am 01. Oktober 1933, erfährt diese Elitetour in 6 ½ stündiger Kletterei die erste Wiederholung durch den Oberstdorfer Bergführer Ignaz Vogler und seinen Seilpartner Otto Niederacher, ebenfalls aus Oberstdorf.

 

 

 
 CCF 000365  bericht niederacher
 Ignaz Vogler, Phillipp Risch und Otto Niederacher
eine Woche nach der Zweitbwegehung am Einstieg 
 Bericht von Otto Niederacher
nach der zweiten Begehung

risch



Phillip Risch

 



Richtig bekannt wurde die Schneck-Ostwand erst durch Anderl Heckmair mit der 5. Begehung im Oktober 1947. Er verfasste im „Bergsteiger“ 1949 einen Aufsatz und verglich den Anstieg mit der Nordwand der großen Zinne.
Bereits 1938, nach seinem großen Erfolg am Eiger, begutachtete er die Schneck Ostwand und für ihn stand fest, dass er sich mit ihr noch befassen muss!
Aber erst 1946 stand er mit seinem Freund Franz Schratt am Einstieg. Schon bald brach ihm ein Griff aus und nur ein gut sitzender Haken verhinderte Schlimmeres. Dennoch musste die Seilschaft aufgeben und abseilen. Die nächsten drei Versuche scheiterten am Wetter. Erst im Oktober 1947 gelang die 5. Begehung.

Anderl Heckmair 1946, nach dem gescheiterten Besteigungsversuch.
Foto: Archiv Auffermann

 heckmair
  Anderl Heckmair am Einstieg
schwarz

Ähnlich erging es 1934 dem Oberstdorfer Bergführer
Kaspar Schwarz.
Auch er musste eine unliebsame Bekanntschaft mit der
Schneck Ostwand erfahren.

Erst am 03. Oktober 1948 gelang ihm mit Willi Klein, dem Bergführerantwärter, die 7. Begehung.

Kaspar Schwarz  

In den Folgejahren glückten einigen Bergführern und Allroundalpinisten mit ihren Seilgefährten eine Durchsteigung. So auch Bergführer Ludwig Schedler aus Oberstdorf mit Waldemar Ihle am 25. 09.1949 mit der 9. Begehung.

 

Für viele Allgäuer Kletterer wurde die Schneck Ostwand zum MUSS.
Ohne „Sie“ war in der Kletterszene kaum Anerkennung zu erwarten.
So ist auch nicht verwunderlich, dass bis einschließlich 1950 bereits 27 Begehungen registriert sind.

ule schaedler
     Ludwig Schedler

In den 1950ern kommen bereits die ersten Wiederholer
Dazu zählt Albert -Ali- Kleemaier, der große Erschließer in den Tannheimern und am Kleinen Wilden in den Oberstdorfer Bergen. Eine schöne Erinnerung an Ali hat der Autor dieses Berichtes. Durch Zufall durfte ich mit ihm am 15. Mai 1966, die Süd-Ostwand an der Roten Flüh klettern.
Insgesamt acht Mal durchkletterte Ali die Ostwand, darunter am 06.12.1953 die erste Winterbegehung.

Der Oberstdorfer Michael Tauscher hat in der Zeit von 1956-1975 die Ostwand 14 Mal durchstiegen. Dabei gelang ihm am 07.12.1957 die 2. Winterbegehung.
Michael Tauscher hat sich aber mit vielen anderen Touren einen Namen gemacht. So gelang ihm die Erstbegehung der gefürchteten Himmelhorn Südwand, 6-/A3. Ganz besonders lockte ihn die Südwestkante am „Babylonische Turm“ in den Tannheimer Bergen. 120-mal wiederholte er diese Tour, fast immer im Alleingang, ohne Seil, mit traumwandlerischer Sicherheit.

 

Eine große Oberstdorfer Bergführerlegende ist zweifellos Edi Bußjäger.
In den Jahren 1959 bis 1988 durchstieg er die Wand, oft auch mit seiner Frau, 36 Mal. In manchen Jahren bis zu 4 Mal.

Mit großer Betroffenheit mussten Freunde und Bergführerkollegen von ihm am 26. Juli 1989, seinen tödlichen Bergunfall schmerzlich zur Kenntnis nehmen.

1961 Edi Bujger
  Edi Bussjäger in der ersten Seillänge
 schneckost02  
 

Peter Kaiser, *24.12.1947, +25.06.2015  

Ein Portrait von Max Zellhuber, Klassenkamerad und Seilpartner

Interessiert hörte ich mal Peter über seine Berg- und kleinere Klettertouren in Oberstdorf zu.
Wahrscheinlich, weil ich ein interessierter Zuhörer war, meinte er, ob ich nicht auch Lust am Klettern hätte? Was sagt man da als 15järiger? Ja, natürlich. Schon am nächsten Tag nahm er mich mit in den Klettergarten bei Tiefenbach. Den Geruch des rauen Hanfseils werde ich nie vergessen. Geübt wurde das Einbinden ins Seil und die Schultersicherung als gängigste Sicherungsart und den Mastwurf zur Selbstsicherung. Erstaunt war ich über die Vielfalt seines Wissens in Sachen  Klettermöglichkeiten.
Weil ich mich wahrscheinlich nicht so schlecht angestellt habe und einen fahrbaren Untersatz mit meiner 1,6PS-starken Zündapp Combinette einbringen konnte, fuhren wir bereits am nächsten Tag ins Tannheimer Tal. Keine Ahnung wohin es geht aber großen Respekt vor den grauen Wänden der Roten Flüh hatte ich schon. Peter hatte die Südwestwand der Roten Flüh schon begangen und kannte sich gut aus.  So brauchte ich nur nachsteigen, denn er führte souverän durch die Wand. Und so verging dann bald kein Wochenende mehr, das wir nicht kletternd verbrachten. Das Jahr darauf, also 1964, überraschte er mich mit dem Vorschlag, die Schneck Ostwand zu machen. Ui, das war ein Vorschlag! Peter hatte sie schon im Vorjahr gemacht und kannte sich auch hier perfekt aus. Gott sei Dank hatte es Peter bereits zu einem 9mm Perlonseil gebracht. Aus heutiger Sicht waren wir in puncto Sicherheit sträflich unterwegs, aber nicht die Einzigen.

Schwierigere und immer längere Touren
Peter war geradezu vernarrt in immer schwerere Klettertouren. Mit anderen Seilpartnern, z.B. Toni Greil und Edi Bußjäger, gelangen ihm respektable Unternehmungen, wie aus seinen Aufzeichnungen hervorgeht:

 2015 06 25 Peter Kaiser001

Peter Kaiser (27x Schneck Ost)

 peter kaiser  

Das Wandbuch
Wann das erste Wandbuch in der Nische der Schneck Ostwand installiert wurde ist nicht bekannt. Bekannt ist, dass das zweite Wandbuch 1961, von wem auch immer, angebracht wurde und bis zur 67. Begehung Nachträge erfolgten. Ab der 68. Begehung am 02.09.1961, wurden die Einträge von Durchsteigern selbst vorgenommen.

2014 wurde das Wandbuch von Tim-Felix Heinze und Klaus Noichl abfotografiert und die Aufnahmen wurden von Max Zellhuber ausgewertet. Ab 2015 lieferte Jürgen Schafroth zuverlässig jährlich Fotos jeder Seite. So ist es möglich nicht nur die Anzahl der Begehungen festzustellen, sondern auch die

1000
  Wandbuch mit der
1000sten Begehung 2022
schneckost05  
        Albert Kleemeier                            Kaspar Schwarz                                       Anderl Heckmair  
 schneckost06 Die erste Beschreibung der Schneck Ost
im Zettler 1925 
schneckost03 Das alte Schild am Beginn des Quergangs 
   

Besonderheiten der Wandbuchauswertung

Die Jüngsten:
243. 11.06.1982 Schafroth Michael Immenstadt 14 Jahre
85. 17.06.1963   Kaiser Peter, 15 Jahre, mit Fricke Gerhard
99. 16.05.1964   Kaiser Peter, Zellhuber Max, 17 Jahre, Oberstdorf
298. 21.08.1983 Noichl Markus, Kappeler Johannes, 17 Jahre, Oberstdorf
511. 08.10.1995 Steurer Toni, Oberstdorf, 16 Jahre, mit Sailer Markus, 26 Jahre
547. 21.08.1997 Sinz Matthias, Simmerberg, 13 Jahre, mit Sinz Luis
745. 04.08.2007 Schafroth Mona, 11 Jahre, mit Vater Jürgen
805. 03.09.2011 Schafroth Moritz, 14 Jahre, mit Vater Michael

 

Die Alleingänger und eine Alleingängerin

130.     04.09.1966      Greil Toni, Oberstdorf, Erster Alleingang!
201.    23.08.1978       Sinz Luis, Weiler, Alleingang, davor Rädlergrat im Alleingang
321.     03.11.1984      Buhl Hans, Staig, Alleingang
426.     27.06.1989      Kühnl, Alleingang
503.     21.07.1995      Lehner Egbert, Wertach, 10 Alleingänge
532.     08.02.1997      Robl Matthias, Oberstdorf, Alleingang nur bis Wandbuch wegen Schnee!
632.     03.09.2001      Tröbelperger Bernd, Ofterschwang, Alleingang (alvi)
911.     08.07.2018      Madlen Kitzing, „Tolle Wand, ich musste einfach wieder kommen“
981.     21.08.2021      Jürgen Schafroth

Die erste reine Damen-Seilschaft
659. 09.10.2002 Conny Schafroth und Kristine Krauter

Richtig los ging es erst ab der 1950er Jahren
1950 – 1959 99 Begehungen
1960 – 1969 214 Begehungen
1970 – 1979 114 Begehungen
1980 – 1989 463 Begehungen
1990 – 1999 316 Begehungen
2000 – 2009 415 Begehungen
2010 – 2019 328 Begehungen
1922 – 29.05.2022, der 1.000sten Begehung: 2.078 Begehungen

11 – 20 Begehungen haben:
11x Beutel Sebi, Bad Hindelang
11x Breyer Bertl, Isny
12x Ebenbeck Peter, Blaichach
10x Frick Rudolf, Oberstdorf
11x Högerle Hannes, Oberstdorf
13x Kuisle Sebastian, Hindelang
18x Martin Hans, Ettensberg
11x Schuh Thomas, Hindelang
13x Sinz Luis, Simmerberg, davon 1 Alleingang mit Rädlergrat
12x Stockinger Luggi, Hinterstein
14x Tauscher Michael, Oberstdorf, 2. Winterbegehung
ein wichtiger Topalpinist fehlt noch!
12x Lehner Egbert, Wertach, davon 10 Alleingänge, 1x mit Rädlergrat
->tödlich abgestürzt am 09.06.1999 an der Schusterführe am Hochwiesler in
der letzten Seillänge, barfuß free-solo kletternd

Mehr als 20 Begehungen haben:
23x Wagner Martin, Sonthofen
25x Hannes Stumpf
27x Martin Anwander
27x Peter Kaiser
33x Rudl Schalber
36x Edi Bußjäger
40x Albert Schwarz
43x Jürgen Schafroth

Die gute Nachricht
In hundert Jahren mit 2.078 Begehungen sind keine nennenswerten oder spektakuläre Unfälle zu verzeichnen. Soweit bekannt sind alle Stürze oder Biwakierungen/Wetterüberraschungen gut überstanden worden. Dazu haben die verbesserte persönliche Ausrüstung und die zwischenzeitlich gute Wandabsicherung beigetragen.

1000ste Begehung durch Jürgen Schafroth
Durch seine Filmarbeiten war Jürgen Schafroth „Dauergast“ in der Schneck Ostwand und kannte natürlich genau den Stand der Begehungen. Es wäre für mich unverständlich gewesen, wenn er sich die 1000ste Begehung hätte nehmen lassen.

Jürgen war es auch, der mich laufend mit Fotos aus dem Wandbuch versorgte.
So konnte ich die 2015 begonnene Wandbuchauswertung bis jetzt weiter vervollständigen.
Damit kann im Detail nachvollzogen werden, wer wann mit wem und diversen Bemerkungen in der Wand war.

Zum BERG FILM ABEND „MYTHOS SCHNECK OSTWAND“ am 07. Und 08. Oktober 2022, im Kurhaus Bad Hindelang, wünsche ich viel Erfolg.
Max Zellhuber, Oberstdorf, 99. Begehung mit Peter Kaiser am 16. Mai 1964